Ausgabe 3 | 2022
Alle Themen dieser Ausgabe
LeseLOK Ausgabe 3/2022
Das Titelbild zeigt vor sonnigem Himmel den Schriftzug „LeseLOK“ sowie eine große weiße Kameradrohne der DB Fahrwegdienste im Vordergrund, daneben eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter in oranger Warnjacke mit Fernsteuerung. Runde Bildausschnitte zeigen einen ICE bei einer Streckenprüfung, eine nächtliche Gleisbettreinigung und eine kleine Dampflok im Gebirge. Das Motto der Ausgabe lautet „Aufgeblättert, fertig, los!“, Hauptthema ist „Drohnen – Unterwegs mit den fliegenden Spezialeinheiten“.
Inhaltsübersicht
Diese Ausgabe bietet unter anderem: Tolle Technik zu Wayside Monitoring und fliegenden Drohnen bei der Bahn, einen Bericht über den neuen ICE 3neo, Witze zum Schmunzeln, einen Comic mit dem kleinen ICE und Sally S-Bahn, ein Interview mit Münchens Schülerbegleitern, einen Bericht über die Gleisbettreinigungsmaschine, berühmte Züge wie die Darjeeling Himalayan Railway, ein Interview zum Thema Müllvermeidung, Medientipps, irre Zuggeschichten, eine Bastelanleitung, Weltrekorde sowie ein Rätsel zum Abschluss.
Hallo und willkommen in der neuen LeseLOK
Cornelia und Pamela vom Team der LeseLOK begrüßen die Leserinnen und Leser. Diese Ausgabe ist wieder pickepackevoll mit spannenden Geschichten: Die Bahn lässt Drohnen fliegen, um freie Fahrt für die Züge sicherzustellen. Außerdem werden besondere Schienenfahrzeuge vorgestellt – von der Gleisbettreinigungsmaschine bis zum „Spielzeugzug“ genannten Bähnchen, das durch Indien zuckelt. Auch zum Basteln, Rätseln und Lachen gibt es einiges.
Tolle Technik: Alles gecheckt – einfach unterwegs
Ein Zug in der Werkstatt fehlt auf der Strecke. Dank modernster Technik können ICE und Co. inzwischen auch während der Fahrt überprüft werden. Das spart manche ungeplante Pause. So wie man beim Fahrrad ein Schleifgeräusch bemerkt und die Ursache sucht, hört ein Zug unterwegs kein Schleifen und hält auch nicht einfach an. Damit dennoch nichts unbemerkt bleibt, kommen Züge regelmäßig in die Wartung. Damit dabei möglichst wenig Zeit verloren geht, hat die Bahn das sogenannte Wayside Monitoring entwickelt, auf Deutsch etwa „Überwachung am Wegesrand“.
An bestimmten Streckenabschnitten stehen besondere Anlagen mit unterschiedlichen Messtechniken:
- Dehnmessstreifen überprüfen die Rundheit der Räder.
- Mikrofone – bis zu zwölf pro Anlage – erlauschen zum Beispiel Schäden am Radsatzlager. Sie zeichnen den Klang vorbeifahrender Züge auf und senden die Daten per Mobilfunk an einen Computer, der Auffälligkeiten meldet.
- RFID-Scanner erkennen, ähnlich einem Kartenlesegerät an der Supermarktkasse, über Mikrochips an den Zügen, welches Fahrzeug gerade vorbeifährt.
- Kameras prüfen den Gesamtzustand der Züge und melden zum Beispiel Graffiti-Besprühungen oder äußere Schäden.
Werden Auffälligkeiten entdeckt, kommt der betroffene Zug außerplanmäßig in die Werkstatt. Ansonsten kann er normal weiterfahren. So werden Kleinigkeiten früh erkannt, bevor sie zu ernsthaften Problemen werden, und Züge fallen seltener ungeplant aus.
Bahnsinn: Willkommen auf der Schiene, Neo
Der neue ICE 3neo ist das jüngste Mitglied der superschnellen ICE-Flotte und bringt einige neue Funktionen mit:
- Auf Empfang: Spezialfenster sorgen für besseren Handy-Empfang, auch bei Höchstgeschwindigkeit.
- Platz da: Extragroße Gepäckfächer bieten Raum für das gesamte Familiengepäck.
- Film ab: Halterungen für Tablets an den Sitzen sowie Steckdosen an allen Plätzen verwandeln das Abteil in einen Kinosaal.
- Fürs Rad: Jeder ICE 3neo besitzt ein spezielles Abteil für Fahrräder.
- Strecke machen: Die Familienbereiche wurden neu gestaltet und bieten insgesamt 16 Plätze.
Technische Daten: Spitzentempo 320 km/h, acht Wagen, 200 Meter Zuglänge, 460 Tonnen Leergewicht, 439 Sitzplätze, im Einsatz ab Ende 2022.
Echt witzig: Günnis Kracher + Lacher
Eine Sammlung kurzer Kinderwitze rund um Bahn, Schule und Alltag, unter anderem über einen ortsunkundigen Fremden, ein Frühstückstischgespräch über das „Zauberwort mit zwei t“, ein Rätsel über eine Biene im Rückwärtsgang sowie Sprüche über einen Bumerang und ein Klassenzimmer-Nickerchen.
Werbung: Kinofilm „Mission Ulja Funk“
Anzeige für den Kinostart des Films „Mission Ulja Funk“ am 12. Januar 2023 mit Gewinnspiel für zwei Satch-Schulranzen-Pakete. Ulja lebt in einer deutschen Kleinstadt, ist wissenschaftsbegeistert und entdeckt einen Asteroiden, der bald auf die Erde treffen wird. Verfolgt von ihrer Oma und der halben Gemeinde reist sie mit ihrem Freund Henk quer durch Polen, um den Einschlag rechtzeitig zu erreichen. Zur Teilnahme am Gewinnspiel soll die richtige Antwort auf die Frage, wo der Asteroid einschlägt, per E-Mail eingesendet werden. Einsendeschluss war der 31. Januar 2023.
Tolle Technik: Fliegende Spezialeinheiten – warum bei der Bahn Drohnen fliegen
Bei der Deutschen Bahn gibt es Spezialeinheiten, die mit kleinen Multicoptern die Schienen entlangfliegen, unter Brücken hindurch und über Bahnhöfe hinweg. Die Profis der DB Fahrwegdienste steuern die Drohnen dabei vom Boden aus per Fernbedienung. Die Fluggeräte sind wendig, präzise steuerbar und können aus großer Höhe scharfe Fotos und Videos aufnehmen. Computerprogramme werten die Bilder aus, sodass zum Beispiel gefährdende Bäume erkannt und gezielt beseitigt werden können. Auch nach Stürmen oder Überschwemmungen liefern Drohnen schnell ein genaues Bild vom Zustand der Gleise sowie wichtige Daten für Bauprojekte und Streckenkontrollen, ohne dass Strecken gesperrt oder Gerüste gebaut werden müssen.
Da Drohnenflüge anspruchsvoll sind, dürfen nur speziell ausgebildete und bei der Luftfahrtbehörde angemeldete Fachleute die Multicopter fliegen. Vor jedem Flug wird auf gute Wetterbedingungen geachtet, es werden Genehmigungen eingeholt und Anwohnende informiert. Ist alles geklärt, kann die Drohne maximal 25 Minuten lang mit bis zu 50 km/h fliegen und dabei Farb-, Infrarot- und Wärmebilder aufnehmen oder Lasermessungen vornehmen. Während des Flugs muss sie ständig im Blick bleiben, damit sie nicht mit Vögeln, Flugzeugen oder Oberleitungen kollidiert.
Gut zu wissen:
- Drohnen sind Fluggeräte, die ohne Piloten an Bord fliegen können.
- Die Spezialkameras können kranke Bäume und bewohnte Vogelnester erkennen – wichtig für Gleis- und Pflanzenpflege sowie den Artenschutz.
- Auch männliche Bienen werden Drohnen genannt; daher stammt der Name der Fluggeräte.
- Die Bahn nutzt Multicopter, die wie Hubschrauber mit mehreren Rotoren fliegen.
Beispiele aus dem Einsatz: Ein Höhenmodell aus Drohnenbildern zeigt, wie hoch Bäume und Büsche entlang der Gleise gewachsen sind. Auf Abstellanlagen – vergleichbar mit einem Parkplatz für Züge – behalten Drohnen aus der Luft den Überblick. Eine Wärmebildaufnahme kann sogar einen zwischen Blättern sitzenden Vogel sichtbar machen, was beim Rückschnitt von Pflanzen wichtig ist.
Bahnsinn: Die Gleisbettreinigungsmaschine – wie man 33.000 Kilometer Strecke sauber hält
Schienen liegen nicht direkt auf der Erde, sondern in einem Bett aus Schottersteinen. Die Steine gleichen Schwingungen und temperaturbedingte Spannungen aus und lassen Wasser abfließen, was besonders im Winter wichtig ist. Mit der Zeit verschmutzt das Gleisbett jedoch durch Laub, Müll oder Rückstände von Diesel und Schmierstoff. Dann kommt die 77,7 Meter lange Gleisbettreinigungsmaschine zum Einsatz, die pro Stunde rund 900 Kubikmeter Schotter reinigt – das entspricht dem Inhalt von mehr als 5.000 Badewannen. Zu große und zu kleine Steine werden aussortiert, der gereinigte Schotter gelangt wenige Meter weiter über ein Förderband zurück ins Gleisbett. Steine, die nicht mehr nützlich sind, können zum Beispiel im Straßenbau weiterverwendet werden.
Die Arbeitsschritte einer Bettungsreinigungsmaschine:
- Anhebung der Gleise
- Aushub des Schotters
- Transport und Trennung des Schotters in verschiedene Siebanlagen
- Abtransport des Abraums, also des aussortierten Gesteinsmaterials
- Transport des gereinigten Schotters zur Planiereinrichtung
- Verteilung des gereinigten Schotters
- Planieren, das heißt gleichmäßiges Auftragen des Schotters ins Gleisbett
- Absenken der Gleise
Comic: Der kleine ICE trifft Sally S-Bahn
Bildgeschichte in mehreren Panels: Der kleine ICE trifft verspätet auf Sally S-Bahn, die in der Stadt gut vernetzt ist. Sally erzählt von einem angesagten Straßenkünstler namens „Bahn-ksy“, dessen frisch entdecktes pinkfarbenes Kunstwerk an einer Wand von Schaulustigen fotografiert wird. Eine ältere Kunstliebhaberin und ein Wachtmeister streiten darüber, wer für die „Schmiererei“ verantwortlich und wer in Wahrheit „Bahn-ksy“ sei. Der kleine ICE gesteht Sally schließlich verlegen, dass er selbst versehentlich zum „Künstler“ wurde: Er war beim Anhalten mit rosa Farbe bekleckert worden, weil ein Maler gerade eine Wand strich, und musste danach durch die Waschanlage fahren. Sally erkennt die Wahrheit, verspricht Stillschweigen unter einer Bedingung und erpresst augenzwinkernd etwas Farbe sowie einen Stadtplan von ihm. Zum Schluss wird die bemalte Wand für 100 Millionen Euro „verkauft“, zur allgemeinen Verblüffung der Umstehenden.
Interview: „Überzeugen statt petzen“ – Münchens Schülerbegleiter im Einsatz
Klaus Figur, Leiter und Haupttrainer des DB Schülerbegleiterprogramms in München, erklärt im Interview, dass Schülerbegleiter Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse sind, die selbst mit der S-Bahn zur Schule fahren und an Bord für Sicherheit sorgen. Das gemeinsame Projekt der S-Bahn München, der jeweiligen Schule und der Bundespolizeiinspektion München soll für heikle Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln sensibilisieren und Konflikte entschärfen, bevor Gefahr entsteht.
Die Ausbildung findet über mehrere Wochen statt, der größte Teil an zwei ganzen Tagen im S-Bahn-Werk Steinhausen. Im Mittelpunkt steht Kommunikation nach dem Motto „Überzeugen statt petzen“: Verhalten sich Mitschülerinnen oder Mitschüler falsch, sollen die Begleiter zunächst das Gespräch suchen. Zusätzlich gibt es Unterricht in Rechtskunde, Übungen an Sicherheitseinrichtungen der S-Bahn und Teamarbeit, da die Schülerbegleiter stets im Team auftreten sollen. Die Tätigkeit ist freiwillig und ehrenamtlich; die Begleiter tragen keine Uniform, aber eine Art Dienstausweis. Seit dem Start des Programms 2007 wurden rund 2.500 Begleiter ausgebildet. Bewerben können sich Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse an teilnehmenden Schulen, mit Zustimmung der Eltern.
Ergänzend äußern sich teilnehmende Jugendliche: Das Beste an der Ausbildung sei für eine Teilnehmerin gewesen, die Notbremse ziehen zu dürfen; ein Teilnehmer wollte mehr über mögliche Gefahren und deren Lösung lernen; eine Teilnehmerin berichtet von einem Einsatz, bei dem sie einer Frau mit Kreislaufversagen Erste Hilfe leistete; brenzlig sei es bislang nicht geworden, und alle Befragten würden wieder mitmachen.
Berühmte Züge: Darjeeling Himalayan Railway – auf Bergtour mit der Spielzeugbahn
Die Darjeeling Himalayan Railway fährt in Indien zwischen den höchsten Bergen der Welt. Erst nach rund 900 Kurven und 554 Brücken erreicht man das Ziel im Teeort Darjeeling. Seit 140 Jahren ziehen kleine Dampf- und Diesellloks die Wagen durch dichte Bergwälder. Wegen der engen Kurven beträgt die Spurweite nur 61 Zentimeter. Bei den Einheimischen trägt der Zug den Spitznamen „Toy Train“ – Spielzeugbahn.
Gut zu wissen:
- 86 Kilometer liegen zwischen dem Start im Flachland und dem für Tee berühmten Ort Darjeeling.
- Rund 2.000 Höhenmeter überwindet der Zug auf der Strecke.
- Selbst auf Hochtouren schafft er gerade einmal 15 km/h.
Für Weltretter: Wir helfen der Umwelt
Die neunjährige Katharina und die zehnjährige Theresa aus Österreich vermeiden gemeinsam mit ihrer Familie in der Nähe von Graz so gut wie jeden Müll. Im Interview erzählen sie, dass sie Joghurt und Milch im Pfandglas kaufen, Zahnbürsten aus Holz statt Plastik verwenden, wiederauffüllbare Tintenpatronen aus Glas nutzen und selbst gemachtes Zahnputzpulver aus Pfefferminzblättern, Schlämmkreide und Birkenzucker herstellen. Lebensmittel werden häufig direkt beim Bauern in Kisten geliefert und Verpackungen zurückgegeben; Shampoo und Spülmittel kaufen die Eltern in großen Kanistern, Taschentücher und Servietten sind aus waschbarem Stoff. Pausenbrote werden in Bienenwachstücher gewickelt und in Edelstahldosen verstaut.
Dadurch fällt kaum Müll an: Die Müllabfuhr hält meist gar nicht am Haus, nur ein- bis zweimal jährlich muss ein Sack Plastikmüll herausgestellt werden. Die Familie lebt schon fast das ganze Leben der Mädchen müllarm, da die Mutter sich schon immer über unnötige Verpackungen geärgert hat. Als störend empfinden die Schwestern vor allem in Plastik verpackte Süßigkeiten. Freundinnen und Freunde finden das Verhalten vorbildlich, einige übernehmen es selbst.
Ein begleiteter Wissenskasten zum Thema Plastikmüll erläutert: Weltweit werden pro Jahr über 400 Millionen Tonnen Plastik hergestellt, Schätzungen zufolge landen davon bis zu 13 Millionen Tonnen jährlich in den Meeren. Mehr als 800 Tierarten sind laut Fachleuten dadurch beeinträchtigt, und Mikroplastik wurde bereits in Nahrung, Luft und sogar im menschlichen Blut nachgewiesen.
So vermeidest du Müll:
- Bestandsaufnahme machen: zwei Wochen lang den eigenen Müll dokumentieren und überlegen, was sich vermeiden ließe.
- Verzichten: Dosen und Flaschen aus Edelstahl sowie Taschentücher und Servietten aus Stoff nutzen, Bienenwachstücher statt Alu- oder Frischhaltefolie verwenden.
- Verpackungsfrei einkaufen: möglichst unverpackte Ware wählen, eigene Behältnisse und Stoffbeutel mitbringen.
Werbung: TOGGO App
Anzeige für die TOGGO App mit Spielen fürs Handy.
Pamelas Medientipps: Gute Unterhaltung (nicht nur) für lange Fahrten
Pamela stellt zwei Medientipps vor:
- „Das Zukunftsbuch“ von Måns Jonasson (Migo, 15 Euro, ab 8 Jahren): Eine optimistische Zeitreise ins Jahr 2070 mit Vorhersagen zu Technologien wie Marshäuschen, lebendigen Dinos im Zoo oder dem Hyperloop als Verkehrssystem.
- „Das XXL-Entdecker-Set – Geniale Maschinen“ von Rob Colson (Edition Michael Fischer, 24,99 Euro, ab 8 Jahren): Ein Sachbuch über Roboter und Technik mit einer Materialschublade zum Bau von 3-D-Modellen wie einem Hydraulik-Kran oder einer Zugbrücke.
Weitere Empfehlungen:
- „Im Zug“ von Steve Martin (arsEdition, 8,99 Euro, ab 7 Jahren): Ein Rätsel- und Mitmachbuch rund ums Bahnfahren mit Malaufgaben, Spielen und Angeberwissen über Züge und Bahnhöfe.
- „Ronjas Roboter“ vom Haus der kleinen Forscher (kostenlose App, ab 9 Jahren): Eine Lern-App, in der ein kleiner Roboter mit einfachen Befehlen programmiert werden muss, um Aufgaben im Garten zu lösen.
Irre Geschichte(n): Ungewöhnliche Züge – im Wasser, in der Wüste, in der Höhe
Das weltweite Eisenbahnnetz misst über 1,4 Millionen Kilometer, rund 35-mal um die Erde. Das Grundprinzip der Eisenbahn hat sich seit ihrer Erfindung vor rund 200 Jahren kaum verändert, dennoch gab es immer wieder ungewöhnliche Konstruktionen. Einige davon sind ab Frühjahr 2023 im DB Museum in Nürnberg in einer neuen Ausstellung zu sehen.
Die Wassereisenbahn
Vor mehr als 120 Jahren verband eine ungewöhnliche Bahn im Süden Englands zwei Badeorte. Streckenabschnitte führten bis zu 80 Meter durch das Wasser; damit die Passagiere trocken blieben, fuhr die Bahn auf sieben Meter hohen Stelzen. Wegen ihrer Form erhielt sie den Spitznamen „Daddy Long Legs“ (Weberknecht). Nach Sturmschäden und dem Bau einer Strandschutzbefestigung quer über die Gleise wurde der Betrieb eingestellt.
Eine runde Sache
In Boston, USA, fuhr die „Meigs Elevated Railroad“, eine sogenannte Monorail auf nur einer erhöhten Schiene. Der Zug aus Dampflokomotive und mehreren rundlich geformten Wagen sparte durch die erhöhte Bauweise viel Platz, wurde jedoch durch ein Feuer stark beschädigt und danach nicht mehr betrieben.
Wie ein Kamel in der Wüste
Die sogenannte Lartigue-Bahn, benannt nach ihrem französischen Erfinder, transportierte in der afrikanischen Wüste Güter auf einer Konstruktion, bei der die Wagen wie ein Sattel auf einer erhöhten Schiene saßen und seitliche Stützräder ein Umkippen verhinderten. Zunächst von Maultieren gezogen, kam bei einer späteren Strecke in Irland eine echte Lokomotive zum Einsatz. Wegen hoher Baukosten und Betriebsproblemen setzte sich das System nicht durch.
Selber machen: Der Kniff mit den Knicken
Bionik nennt man die Wissenschaft, die sich die Natur zum Vorbild für technische Erfindungen nimmt – etwa bei Fächerpalmen, deren gefaltete Blätter Vorbild für stabile, materialsparende Konstruktionen sind. Eine Bastelanleitung zeigt dieses Prinzip:
Was du brauchst: zwei Stühle oder gleich hohe Bücherstapel, zwei A4-Blätter Papier, Gewichte für den Belastungstest, zum Beispiel Schokoriegel oder Brotscheiben.
- Die beiden Stühle oder Bücherstapel mit knapp 20 Zentimeter Abstand nebeneinanderstellen.
- Ein Blatt Papier als Brücke über den Spalt legen.
- Einen Schokoriegel auf die Brücke legen: Sie stürzt ein, da das dünne Blatt das Gewicht nicht halten kann.
- Das andere Blatt an einer schmaleren Seite der Länge nach im Zickzack falten, wie einen Fächer, mit etwa einem Zentimeter Abstand zwischen den Knicken.
- Den Versuch mit der gefalteten Ziehharmonikabrücke wiederholen: Diesmal hält die Brücke stand.
- Ausprobieren, wie viele Riegel zusätzlich gestapelt werden können, bevor die Konstruktion einstürzt.
- Wird das gefaltete Blatt zwischen zwei weitere Blätter geklebt, entsteht eine sogenannte Sandwich-Struktur, die noch mehr Gewicht tragen kann.
Erklärung: Ein normales Blatt Papier ist dünn und besteht aus dehnbaren Zellulosefasern, die einem hohen Gewicht wenig entgegensetzen können. Durch das Falten wird das Gewicht in mehrere Richtungen abgelenkt – Ingenieurinnen und Ingenieure nennen dies Versteifung. So lässt sich mit wenig Material viel erreichen, etwa bei Brücken aus Metall oder Holz, bei Konservendosen und



